Forschung, Klinik und Zukunftsvisionen – Kampo Medizin

Der zweite Tag, 20. September in Madrid, des ISJKM stand ganz im Zeichen der wissenschaftlichen Forschung und klinischen Anwendungen der Kampo-Medizin.

Pharmacobotany and Basic ResearchDer Vormittag begann mit spannenden Beiträgen aus der Grundlagenforschung:

  • Manuel Schäffer und sein Team präsentierten neue Daten zur immunstimulierenden Wirkung der Rezeptur Hainosankyuto.
  • Kenny Kuchta (Göttingen) zeigte Ergebnisse zur Wirkung von Juzentaihoto auf Alterung und Gebrechlichkeit in einem C. elegans-Modell.
  • Mehrere Beiträge befassten sich mit COVID-19: Tetsuya Hongawa berichtete über eine fünfjährige retrospektive Analyse aus Shizuoka, Yu Lin und Sven Schröder stellten Daten zu Long-COVID vor, und Dr. Thomas Friedemann präsentierte eine Phase-III-Studie, die eine schnellere Genesung mit Shufeng Jiedu belegte.

Clinical Experience and ResearchDer klinische Teil des Tages beleuchtete die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Kampo in der Praxis:

  • Tomoko Suzuki sprach über den Einsatz bei nichttuberkulösen Mykobakteriosen.
  • Dr. Yoshiharu Motoo (Fukui Saiseikai Hospital, Japan) präsentierte neue Daten aus seiner onkologischen Sprechstunde: Bei 51 Krebspatienten (Medianalter 68 Jahre) konnte Kampo-Medizin Chemotherapie-bedingte Nebenwirkungen wie Fatigue, Appetitverlust und periphere Neuropathie wirksam lindern. Besonders häufig kamen Goshajinkigan und Ninjin’yoeito zum Einsatz, die oft mehrere Symptome gleichzeitig verbesserten – ohne kampo-bedingte Nebenwirkungen. Diese Ergebnisse unterstreichen das Potenzial von Kampo zur Reduktion von Polypharmazie und zur Verbesserung der Lebensqualität von Krebspatienten.
  • Shin Takayama und Mosaburo Kainuma stellten Studien zu Kampo-Therapien bei Brustkrebspatienten vor, insbesondere zur Linderung hormontherapiebedingter Nebenwirkungen und menopausaler Symptome.
  • Ryutaro Arita zeigte Daten zur Anwendung von Kampo während der Schwangerschaft.
  • Selim Ahmed präsentierte eine randomisierte, placebokontrollierte Studie zu Goreisan bei akuter Gastroenteritis bei Kindern in Bangladesch.

Networking
Am Nachmittag folgte eine umfangreiche Poster-Session mit 19 Beiträgen, darunter Arbeiten zur antiviralen Wirkung von Maoto, zur erfolgreichen Behandlung psychogener Anfälle mit Kampo sowie zu Kombinationstherapien von Kampo und Akupunktur bei posttraumatischen Schmerzen.

Ausblick und Transfer nach Europa
Auch in Europa wächst das Interesse an integrativen onkologischen Konzepten. ConPhyMed arbeitet gemeinsam mit Partnern in China und Deutschland daran, pflanzliche Rezepturen aus der TCM und Kampo-Medizin für die supportive Onkologie zugänglich zu machen. Ziel ist es, künftig auch am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf eine ergänzende Sprechstunde für Patienten mit chemotherapieinduzierten Nebenwirkungen anzubieten.

Kultureller Ausklang
Den Abschluss bildeten die Farewell Addresses, ein Aperitivo mit Flamenco-Musik und das gemeinsame Dinner in der Finca Venta Reyes – ein gelungener Ausklang mit Raum für persönlichen Austausch und internationale Vernetzung.

➡️ Diskutieren Sie mit uns auf dem ISJKM 2025 in Madrid oder schreiben Sie uns Ihre Anregungen und Gedanken an kontakt-web@conphymed.de:
Wie können TCM und Kampo-Medizin in bestehende westliche onkologische Therapiekonzepte integriert werden?